Eigenes Risiko einschätzen

Wann ist die Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Es besteht keine Verpflichtung, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Das bedeutet, dass die Entscheidung für oder gegen eine BU-Versicherung lediglich der eigenen Verantwortung unterliegt. Wie hoch das persönliche Risiko ist, wegen Krankheit oder Unfall vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden zu müssen, schätzt jeder für sich unterschiedlich hoch ein. Optimistische Menschen gehen davon aus, schon nicht krank zu werden und falls doch, könne doch auch irgendetwas anderes gearbeitet werden, oder der Staat tritt ein. Notfalls gibt es ja noch die Sozialhilfe. Diese Haltung ist genauer betrachtet nicht optimistisch, sondern leichtsinnig, denn niemand ist nachhaltig davor geschützt, krank zu werden. Auch ein Unfall kann schneller passieren, als man denkt. Zur eigenen Einschätzung des persönlichen Risikos soll die folgende Liste helfen:

Gehören Sie einer der folgenden Gruppen an?

  • Selbstständige und Freiberufler
  • Schüler, Studenten und Auszubildende
  • Hausfrauen und Hausmänner
  • 400-Euro-Jobber
  • Familienväter und –mütter
  • Angestellte und Beamte
  • Unfallträchtiges Hobby
  • Tätigkeit mit hohen körperlichen Anforderungen
  • Tätigkeit mit Gefahrenpotential
  • Genetisch bedingte Erkrankungen in der Familie

Grundsätzlich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung immer sinnvoll. In jungen Jahren spricht sogar noch mehr für eine private Absicherung, denn die Beitragshöhe richtet sich nach dem Eintrittsalter. Dazu kommt noch, dass junge Arbeitnehmer noch nicht viele Beitragszeiten für die gesetzliche Rentenversicherung geleistet haben und deshalb keinen oder einen geringen Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung haben. Personen, welche keiner versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen, sondern beispielsweise freiberuflich tätig sind, brauchen unbedingt die Absicherung durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Menschen mit einem unfallträchtigen Hobby sind ebenfalls mit einer BU-Versicherung gut beraten, ebenso wie Arbeitnehmer, die in ihrem Beruf besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Tätigkeiten, die ein hohes Gefahrenpotential mit sich bringen, sollten durch eine BU-Versicherung abgesichert werden. Das gilt auch, wenn in der Familie Krankheiten vorgekommen sind, deren Entstehen genetisch bedingt ist.

Die Hoffnung, dass doch der Staat mit Leistungen eintritt, wird schnell entzaubert, wenn man sich die gesetzlichen Regelungen betrachtet. Freilich gibt es ein soziales Netz, das niemanden ganz ohne Lebensgrundlage lässt. Aber von einem Beruf mit durchschnittlichem Einkommen zum Existenzminimum abzustürzen, kann für niemanden wünschenswert sein. Der letzte Versuch, sich die Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung auszureden, ist die Hoffnung auf eine anderweitige Beschäftigung. Fakt ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung eine Verweisung zu einer anderen Tätigkeit vor eine Leistungspflicht stellt. Das bedeutet, dass ein hochqualifizierter Angestellter auch Pförtnerdienste machen muss und keine Leistung von der gesetzlichen Rente erhält. Im Ernstfall ist das sicherlich kein Zuckerlecken. In der privaten BU-Versicherung gibt es diese Verweisungsklausel nicht.

Inwieweit all diese Risiken wirklich in Kauf genommen werden oder ob sie durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung aufgefangen werden können, bleibt der Entscheidung jedes Einzelnen überlassen.

Übrigens: Jeder 4. Arbeitnehmer erreicht die reguläre Altersgrenze nicht und scheidet wegen Krankheit vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus.