Idee: Annahmepflicht bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

So wichtig die Berufsunfähigkeitsversicherung ist, so schwierig gestaltet es sich für viele Interessenten, überhaupt angenommen zu werden. Vor- oder chronische Erkrankungen führen in der Regel zur Absage, unabhängig davon, bei welcher Versicherungsgesellschaft man anfragt. Im Rahmen der 20. Wissenschaftstagung des Bundes der Versicherten (BdV) Mitte April hat der ehemalige Ombudsmann Wolfgang Römer jetzt angeregt, diese Hürden abzureißen und eine Berufsunfähigkeitsversicherung für alle zu ermöglichen. Hintergrund der Forderung: Vonseiten des Staates gibt es kaum noch Hilfen für Betroffene, die ihrem Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen können.

Wie die Sprecher der Assekuranzen mitteilten, habe man sich bereits Gedanken zu einem geförderten Produkt gemacht, mit dem zumindest die Erwerbsunfähigkeit abgesichert werden könne. Ein gangbarer Weg sei bislang allerdings nicht gefunden worden. Voraussetzung für das hoch gesteckte Ziel der Berufsunfähigkeitsversicherung für alle sei ohnehin, dass der Gesetzgeber die nötigen Rahmenbedingungen schaffe. Doch selbst dann wird es schwierig.

Wie sich schon beim Basistarif in der privaten Krankenversicherung zeigte, sind die Unternehmen nicht sonderlich begeistert von der Verpflichtung, jeden Kunden annehmen zu müssen. Von daher wird es eine Gratwanderung, eine Lösung zu finden, mit der die Unternehmen Geld verdienen können und die gleichzeitig einen ausreichend hohen Nutzen für die Kunden hat.

Hinzu kommt: Erfahrungsgemäß würden sich nur die versichern, die bereits krank sind. Gesunde – das zeigen auch die Abschlusszahlen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung – halten sich eher zurück und schätzen das Risiko, in Zukunft nicht mehr arbeiten zu können, vollkommen falsch ein. Dabei ist inzwischen jeder Vierte von Berufsunfähigkeit betroffen. Dieses Verhalten macht eine Kalkulation nahezu unmöglich.

Das führt möglicherweise dazu, dass die Prämien exorbitant hoch sind und als „Abwehrprämien“ abgestempelt werden. Bliebe die Möglichkeit der Pflichtversicherung, die der ehemalige Ombudsmann Wolfgang Römer jedoch für nicht durchsetzbar hält. Er setzt auf eine freiwillige Versicherung mit Annahmepflicht, bei der es für Kunden, die sonst nicht aufgenommen würden, Fördermittel gibt.